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Pestizide effizienter analysieren
 Um Serien stark
matrixhaltiger Proben gaschromatographisch, etwa auf Pestizidrückstände, zu
analysieren, bedarf es einer aufwändigen Probenvorbereitung. Oder man ist
gewillt, den Liner des PTV-Injektors öfter zu wechseln, was bislang von Hand und
meist schon nach wenigen Messungen erfolgen muss und was stets den Abbruch der
Analysensequenz zur Folge hat. Ein aufwändiges Prozedere also, das allerdings
der Vergangenheit angehört, wie der vorliegende Bericht
zeigt.
Pro Jahr werden mehr als 30000
Tonnen verschiedenster Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel,
zusammengefasst unter der Bezeichnung Pestizide, auf deutschen Äckern verteilt.
In den USA sind es sogar 600000 Tonnen. Hierzulande sind 250 Pestizidwirkstoffe
und 1900 Präparate zugelassen, existent sind allerdings weitaus mehr. Während
sie einerseits helfen, schädliche Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen wirksam zu
bekämpfen und so die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln sicherstellen, können
Pestizide Luft, Boden und Gewässer belasten und sich letztlich negativ auf die
Gesundheit des Menschen auswirken. Insbesondere der unsachgemäße Gebrauch sowie
der Einsatz illegaler Pestizide bereitet Sorge. Um eine Gefährdung
auszuschließen, bedarf es eingehender Untersuchungen: Wirksamen Schutz bietet
einzig die Kontrolle insbesondere pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse auf
Pestizidrückstände.
Vereinfachung der Multimethoden Um schnell,
sicher und empfindlich einen Überblick über die Pestizidbelastung einer Probe zu
bekommen, bedarf es so genannter Multirückstandsmessmethoden, die der Fülle sich
im Umlauf befindenden Pestizide sowie deren jeweiligen physikalischen und
chemischen Eigenschaften gerecht werden. Herkömmliche Bestimmungsverfahren
erweisen sich meist als arbeits-, zeit- und kostenintensiv. Darüber hinaus
bedingen sie oft auch den Einsatz großer Mengen teils teurer und toxischer
Lösemittel. Das Pestizidlabor Eurofins (Dr. Specht & Partner) aus Hamburg
etwa arbeitet bei der Untersuchung von Obst und Gemüse vermehrt mit der so
genannten QuEChERS-Methode [1, 2]. Hierbei handelt es sich um eine „bewährte
Multirückstandsmethode, die den Aufwand an Probenvorbereitung beim Nachweis von
Pestiziden im Vergleich mit herkömmlichen Vorgehensweisen erheblich reduziert“,
erklärt Dr. Volkmar Heinke von Eurofins.
Im Einsatz erfolgreich Das Kürzel
Quechers steht für Quick Easy Cheap Effective Rugged Safe und beschreibt eine,
wie die Bezeichnung andeutet, neue schnelle und kostengünstige Methode zur
Bestimmung von Pestiziden insbesondere in fettfreien Matrices. „Wir haben die
Quechers-Methode bereits in mehreren internationalen
Laborvergleichsuntersuchungen der Europäischen Union mit sehr großem Erfolg
getestet“, sagt Dr. Michelangelo Anastassiades vom Chemischen und
Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Stuttgart über die von ihm entwickelte
Methode und ergänzt: „Die mit Quechers erzielten Ergebnisse sind mit denen
etablierter Multimethoden, wie etwa denen der DFG S19, vergleichbar.“ Quechers
umfasst nur wenige Probenvorbereitungsschritte. Vereinfacht gesagt werden 10 g
homogenisierte Probe mit 10 mL Acetonitril versetzt und extrahiert. Anschließend
werden 4 g Magnesiumsulfat und 1 g Natriumchlorid zudosiert. Die Probe wird
geschüttelt, mit dem internen Standard versetzt, erneut geschüttelt und
zentrifugiert. Ein Aliquot des Überstandes wird entnommen, mit Magnesiumsulfat
und einem Sorbens versetzt, die selektiv mitextrahierten Matrixbestandteile
entfernt, geschüttelt, zentrifugiert und chromatographisch analysiert. Im
Gegensatz zu herkömmlichen Methoden erlaubt Quechers eine schnelle
Probenvorbereitung für die GC/MS- beziehungsweise LC/MS-Bestimmung der
gängigsten Pestizide: „Mit massenspektrometrischen Verfahren untersuchen wir
unsere Quechers-Extrakte in der Regel auf das Vorkommen von 330 gängigen
Pestiziden“, sagt Anastassiades, wobei sich manuell acht Proben in weniger als
45 Minuten aufarbeiten ließen. Die Wiederfindung liege zwischen 90–100 Prozent
bei gleichzeitig geringen Ergebnisschwankungen, sagt der Chemiker.
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Effiziente
Multi-Methode Die Vorteile der Quechers-Methode gegenüber klassischen
Verfahren zur Analyse von Pestiziden in Obst und Gemüse sind laut Anastassiades
der geringe Verbrauch teilweise toxischer Lösemittel, der reduzierte manuelle
Arbeitsaufwand, die schnelle Aufarbeitung der Probe sowie das bedeutend breitere
Spektrum erfassbarer Pestizide. „Der hohe Probendurchsatz und die geringen
Kosten von etwa einem Euro pro Probe für die Materialien der Probenaufarbeitung
belegen die Effizienz unserer Multi-Methode. Durch die Quechers-Methode hat das
CVUA Stuttgart im Jahr 2003 allein bei den Lösungsmittelkosten Einsparungen von
mehr als 15.000 Euro erzielt“, sagt Anastassiades. Bei allen Vorteilen enthalten
die nach der QuEChERS-Methode hergestellten Obst- und Gemüseextrakte mitunter
einen hohen Anteil schwer verdampfbarer Komponenten, die sich negativ auf die
GC-Analyse auswirken, sagt Volkmar Heinke: „Sie verschmutzen den PTV-Liner. Bei
extraktreichen Matrices führen bereits 10 bis 20 Injektionen zu einer Abnahme
der Signalstärke der empfindlicheren Komponenten. Das GC-Systems muss oft
gewartet werden, um weiterhin zuverlässige und sichere Daten zu
liefern.“
Paprika, Pestizide und PTV Spätestens nach der 15. Injektion
eines „sehr schmutzigen“ Probenextrakts sollte der PTV-Liner gewechselt werden.
Bislang geschah das aufwendig von Hand. Um die Quechers-Methode in der
Routineanalytik zum Nachweis von Pestiziden optimaler einsetzen zu können,
sollte sich der PTV-Liner automatisiert auswechseln lassen, andernfalls ist kein
adäquater Durchsatz längerer Sequenzen möglich, bemerkt Heinke. Die Lösung
für ein entsprechend automatisiertes System fand Eurofins bei der Gerstel GmbH
& Co. KG. Das Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr hat dafür das
Leistungsspektrum seines MPS2-Probengebers um die Alex-Option
(AutomatedLinerEXchange) zum automatisierten Liner-Wechsel erweitert. „Der
Liner-Wechsel kann jederzeit erfolgen, ohne die Probensequenz abbrechen zu
müssen“, sagt Dr. Eike Kleine-Benne aus der Entwicklungsabteilung von Gerstel.
ALEX und die technischen Details Das System basiert auf dem
KAS-4-PTV-Injektor und dem MPS2-Autosampler (beide von Gerstel). Jeder Liner
wird in einen Transportadapter eingesetzt. Anstelle des normalerweise für die
Flüssiginjektion beim KAS 4 verwendeten septumfreien Aufgabekopfes, ist ein
spezieller Unterstützungskopf montiert, der die Transportadapter abdichtet und
einen störungsfreien Trägergasfluss durch Adapter und Liner ermöglicht. „Das
Dichtungssystem bewährt sich seit Jahren schon bei anderen Systemen, bei denen
Glasröhrchen automatisch ausgewechselt werden, etwa bei den
Thermodesorptionssystemen von Gerstel“, sagt Eike Kleine-Benne. Um die
Adapter greifen und transportieren zu können, hat das Unternehmen seinen
MPS2-Autosampler leicht modifiziert und mit einem elektrischen Greifer
ausgerüstet. Bis zu 97 konditionierte Liner sind in einem speziellen
Probenteller vorrätig, wobei die Transportadapter eine gasdichte und damit
kontaminationsfreie Aufbewahrung ermöglichen. Für die Flüssiginjektion ist jeder
Transportadapter mit einem typischen 5 x 3-mm-Septum ausgestattet, das
kommerziell erhältlich ist und zum Beispiel im Cool-on-Column-Injektor von
Agilent verwendet wird. Die Oberseite des Injektors, speziell der
Transportadapter, bleibt auf Grund einer wirksamen Wärme-Entkopplung zwischen
Körper und Oberseite des PTV während des Gebrauchs kühl. „Ein Bluten des Septums
oder der O-Ringe des Adapters wird wirksam verhindert“, sagt Eike Kleine-Benne.
Da der Injektor prinzipiell mit dem Gerstel-KAS 4 identisch ist, lassen sich
alle kommerziell erhältlichen KAS4-Liner verwenden, gleichgültig, ob mit
Glaswolle oder einem Adsorbens gefüllt. Daher sei auch der Transfer von
Methoden, die etwa zunächst für das KAS 4 entwickelt wurden, auf das
automatische Liner-Wechselsystem ohne weitere Modifizierungen möglich, sagt Eike
Kleine-Benne und ergänzt: „Die Leistungsfähigkeit des KAS 4 wird nicht
beeinträchtigt.“ Die Steuersoftware auf Basis der Gerstel-Master-Software
ermögliche es, die Liner zu jedem Zeitpunkt einer Probensequenz auszutauschen.
„Es muss immer nur eine Probensequenz editiert werden“, sagt Eike Kleine-Benne.
Die Software lässt sich in die GC- beziehungsweise MS-ChemStation von Agilent
Technologies einbinden. „Der Anwender erstellt zudem nur eine Sequenz und nur
eine Methode komfortabel mittels Mausklick“, beschreibt Eike Kleine-Benne. Es
bedarf hierfür keiner Macroprogrammierung. „Die Master-Software entfaltet ihr
Leistungsvermögen auch ohne Einbindung, im beschriebenen Projekt wurde ein
TOF-MS von Leco verwendet“, sagt der Chemiker. „Der MultiPurposeSampler MPS 2
mit Alex-Option ermöglicht im Routinebetrieb den automatisierten
PTV-Liner-Wechsel sowie die GC-Analyse von Proben und Extrakten, die in großen
Mengen Hochsieder oder suspendierte Stoffe enthalten“, sagt Heinke. Die
Kombination Quechers-Methode/Alex erlaube einen schnellen, sicheren und
empfindlichen Multi-Nachweis von Pestiziden in Obst und Gemüse wobei Alex
insbesondere zu einer Steigerung der Robustheit der Analytik führe. Die
Laborzeit werde darüber hinaus für die Probenvorbereitung dramatisch reduziert
und gleichzeitig wird ein hoher Probendurchsatz für das analytische System
sichergestellt, da die manuelle Systemwartung im Rahmen bleibt, beschreibt Heinke die Vorteile.
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